Tief aus der Erde Finsternissen Hervor an’s Licht des Tag’s gerissen, Ward aus geheimnißvoller Nacht Die Tochter Hadrians erwacht. Doch andere Gestalten Sieht sie entfalten, Ein fremdes Leben um sich walten – Das ist nicht ihr Juvavia! Wie aber? rauschet nicht des Stroms Najade Noch an’s bekannte, freundliche Gestade – Steh’n nicht die ew’gen Berge da? Und weiter wird sie fortgezogen Von dem Gedränge, von den Menschenwogen – Und in dem brausenden Gewimmel – hört sie recht? O, welche Stimmen! welche Töne! Sind dieß Germanen, Deutschlands Söhne? Dieß rauhe, himmelstürmende Geschlecht, Das in uralten Eichenforsten Sie sonst geseh’n, Wie kühne, trotz’ge Adler horsten. – Die dunkle Nacht, sie wechselt mit dem Tage, Die Sonn’ muss auf = und untergeh’n; So wechselnd sinkt und steigt der Völker Wage, Im ew’gen Cirkelgange muß die Welt besteh’n. Doch still! Es scheint, daß hier die Kunst auch wohne; Denn prächtig in der Lüfte Blau Hebt sich der Tempel hoher Wunderbau – Und heimisch lächelt ihr die Sonne! Sie fühlt verwandte Geister und sich weh’n, Und da sie ihre Blicke kehrt und wendet, Sieht sie erstaunet und geblendet Ein Götterbild vor ihren Augen steh’n! | Sie sieht den Lorbeerkranz, die Leier winken, Und will, von schöner Ahnung voll, Begeistert zu des Bildes Füssen sinken, Und ruft entzückt: Die Zeichen kenn’ ich wohl – Das ist ein Liebling des Apoll! Es ist sein Sohn! Antwortet unsichtbar der Muse sanfter Ton – Du selbst hast ihn geboren. Ihm hat sein Genius, die göttliche Natur, Dieß schöne Thal, die paradiesesgleiche Flur, Zu seiner Wiege auserkoren. Er ist der Glückliche, und du bist die Beglückte; Wo der Bekränzte steht, da ist ein Heiligthum. Dein Erbe ist des großen Todten Ruhm, Weil er in deinem Arm das Licht zuerst erblickte! Musik ist Göttersprache! Oben in den Sphären, Wo sich die reinste Harmonie enthüllt, Muß in ein funkelnd Sternenbild Die gold’ne Leier Orpheus sich verklären. Auf! Jubelt ihm, dem großen Meister, Der kühn nachahmend diese Sprache spricht, Die jedes Herz versteht, die alle Geister Mit ihrem Zauberton umflicht. Ihn kennt der Newa Strom, die stolze Seine, Der Po, der durch die Hesperidengärten fließt, Und von der Themse Flut bis zu dem deutschen Rheine Wird er mit Freudenruf begrüßt. Und wer die Götter fühlt im Großen und im Schönen, Der eile her, der ist es werth, Heut’ unsers Mozart’s Bild zu krönen, Ihn, den das horchende Europa ehrt. |