Bauklötze staunen! 
Von Anker, Matador & Co.

Sonderausstellung im Spielzeugmuseum im Bürgerspital

18. März bis 2. Oktober 2005


 

Die Ausstellung zeigt Baukästen aus verschiedenen Jahrhunderten, beginnend mit Fröbels Holzbaukasten der Biedermeierzeit über Anker-Steinbaukästen, Konstruktionsbaukästen aus Metall und Holz (Märklin und Matador) bis hin zum ewig jungen Lego. Die Objekte stammen größtenteils aus der umfangreichen Sammlung des Spielzeugmuseums und dokumentieren die Geschichte der Bau- und Konstruktionsbaukästen vom 19. bis in das 21. Jahrhundert.

Baukästen aus schlichtem, unbehandeltem Holz standen bereits um 1840 am Anfang einer Entwicklung, die über Stein- und Metallbaukästen bis zu den heutigen Kunststoffbaukästen reichen sollte. Schon zu Beginn ist eine Internationalität der Baukästen festzustellen, deren Titel oft mehrsprachig gehalten sind und damit deutliche Hinweise auf rege Exporttätigkeit geben. Ein Zentrum zur Herstellung von Holzbaukästen war Blumenau bei Olbernhau im Erzgebirge. Allein in diesem Ort entstanden ab 1850 so bedeutende Produktionsstätten wie die von S. F. Fischer, Louis Engel, Carl Fritzsche und Ernestine Reuter, von der sich ein origineller, 1932 produzierter Dreiecksbaukasten im Besitz des Spielzeugmuseums befindet.

Der Wunsch, die Instabilität aufgetürmter Bauklötze in den Griff zu bekommen, führte 1901 zur Patentierung der Erfindung Johann Korbulys, die unter dem Namen „Matador“ als Holzkonstruktionsbaukasten Furore machen sollte. Das System aus durchbohrten Holzklötzen, die durch Verbindungsstäbe zusammengehalten bzw. fixiert werden, wird heute wieder im Waldviertel/NÖ erfolgreich hergestellt.

Um Kindern wirklichkeitsnahes Bauen zu ermöglichen, schien dem Architekten Gustav Lilienthal (1849–1933), dem Bruder des berühmten Flugpioniers Otto Lilienthal, Holz als Baumaterial ungeeignet. Er erfand den keramischen Baustein aus Sand, Kreide und Leinöl. Allerdings verkaufte er 1880 das Rezept zur Herstellung dieser Bausteine, so dass die Geschichte des Steinbaukastens nicht mit seinem Namen, sondern mit dem Friedrich Adolf Richters verbunden ist. Der kaufmännisch versierte F. A. Richter schaffte es binnen kürzester Zeit, mit dem „Anker Steinbaukasten“ weltweit erfolgreich zu werden. Zahlreiche Nachahmungen und Varianten folgten auf diese Innovation. In Salzburg waren es die Gartenauer Betonwerke (heute „Fa. Leube“), die den Steinbaukasten „Salzburger Bausteine“ noch nach dem Zweiten Weltkrieg auf den Markt brachten.

Mit den grandiosen Ingenieurbauleistungen im Brücken-, Hallen- und Maschinenbau um die Jahrhundertwende entstand das Bedürfnis, diese technische Wirklichkeit den Kindern auch im Spiel zugänglich zu machen. Am erfolgreichsten setzte sich die 1901 patentierte Idee Frank Hornbys durch, genormte Lochstreifen aus Metall mit Schrauben und Muttern als Verbindungselemente zu kombinieren. Unter dem Namen „Meccano Ltd.“ (Liverpool) trat diese Erfindung ihren Siegeszug rund um die Welt an. Vorerst nur als Generalvertreter für „Meccano Ltd.“ in Deutschland tätig, übernahm die Firma der Gebrüder Märklin noch im Ersten Weltkrieg die Rechte an der konfiszierten Niederlassung und erweiterte mit der Zeit die Produktpalette. Zum Erfolg der Märklin Metallbaukästen trug die Möglichkeit des Antriebs der Modelle durch Federwerk-, Dampf- und Elektromotoren bei.

Mit dem Werbespruch „Der Knaben schönstes Spiel, das ist und bleibt Stabil“ warb die Firma Walther & Co. für ihre Metallbaukästen, die als die ersten in Deutschland galten. Erwähnenswert ist die Tatsache, dass diese Firma auch Baukästen speziell für Mädchen schuf, die unter dem Titel „Technik für Mädchen in Sport und Beruf“ 1933 erschienen.

In den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts setzte sich in allen Lebensbereichen, und so auch bei der Herstellung von Spielzeug und von Bauklötzen, ein neuer Werkstoff durch: Plastik. Die u.a. von „Lego“ und „Fischer-Technik“ damals entwickelten Kunststoffbaukästen zählen noch heute zu den bekanntesten, sind nach wie vor unverwüstlich und vollzogen bis heute in ihrer Entwicklung den Sprung ins Computerzeitalter.

In einer Ausstellung, die die Geschichte der Baukästen zeigt und vermittelt, darf natürlich auch gebaut werden: Die Firma Matador stellt einen Spieltisch samt Bauklötzen zur Verfügung!

Ausstellung mit freundlicher Unterstützung der Salzburg Wohnbau.  


Walther Stabil Metallbaukasten Nr. 50 und 50 a
Berlin/Neukölln, 1963
Inv.-Nr. 6012/96 a, b
 

 
Märklin Metallbaukasten Nr. 2 und 2 a
Märklin, Göppingen, 1925
Inv.-Nr. 6034/96 a, c


 
Matador Konstruktionsbaukasten Nr. 2, vor 1938
Kanonen-Ergänzungskasten Nr. KE, um 1940
Matador-Zeitung Nr. 83, 1939
Fa. Korbuly, Pfaffstätten Spielzeugmuseum,
Inv.-Nrn. 6063/92, 6066/92


 
Anker Steinbaukasten „Amerikanische Landhäuser“
Großkaliber, Neue Folge Nr. 206 c
F. Ad. Richter & Cie., Rudolstadt,
1910/20, Inv.-Nr. 6163/86


Harzer Eisenbahn Baukasten Gebrüder Buttermilch
um 1905, Inv.-Nr. 6169/81


Fröbels dritte Gabe „Erster Baukasten“,
Wien, Inv.-Nr. F 1086