Masken 
Brauch und Mythos

Sonderausstellung im Volkskundemuseum
Monatsschlössl in Hellbrunn
8. Mai bis 31. Oktober 2004


Bestandskatalog, 80 Seiten
mit zahlr. Farbabb., € 9,90

Perchtentanz im salzburgischen Pinzgau 

Sich das Gesicht mit einer Maske (von franz., ital., arab. maschera = „Possenreißerei“) zu verhüllen, ist eine Kulturhandlung, die es von der Ur- und Früh-geschichte an bis zum heutigen Tag überall auf der Welt gab und gibt. Ihr Ursprung ist rituell-kultischer Natur. In einer Umwelt, die als von Geistern und Dämonen belebt gedacht war, wollte der Mensch eben diese Wesen nachahmen, erschrecken oder besänftigen, womöglich gar täuschen; in jedem Falle versicherte er sich so der Teilnahme an einer Welt, die aus mehr denn nur den sichtbaren Dingen bestand. So ernst dies war, so sehr ist darin eine spielerische Note als eine anthropologische Grundkonstante enthalten. Denn der hinter der Maske verborgene Mensch konnte und musste stets mitgedacht werden, immer war er präsent, wenn die Verwendung der Maske auch spirituellen Handlungen verbehalten war, die sich etwa in rituellen Tänzen vollzogen. Doch ist die Idee, sich mittels einer Maske als ein anderes Wesen, als ein anderer Mensch auszugeben von einer derart eminenten kulturhistorischen Bedeutung, dass wir darin eine Urverhaltensform des „homo ludens“ erblicken dürfen, wie wir sie heute im kindlichen Spiel noch beobachten können. Und natürlich nimmt von hier der Gedanke des Theater-„Spielens“ seinen Ausgang.

Bis heute, da wir nicht mehr (oder mindestens weit weniger) an Geister und Dämonen glauben, „funktioniert“ dieser erstaunliche Effekt, den Masken bewirken. Jeder kann ihn erleben, der einem Perchten-Lauf zusieht: Die Masken haben etwas so Unabweisliches, Unwiderstehliches, dass wir bei der direkten Begegnung in eine emotionale Verwirrung geraten, die zwischen Heiterkeit und Schaudern, wenn nicht gar offener Angst pendelt; und dies trotz des Wissens, dass hinter den Masken ganz gewiss hochanständige Menschen stecken. Die Maske ist ein Gegenstand, der uns, über alle zivilisatorischen und kulturellen Entwicklungen hinweg, klar macht, dass wir eng verwandt sind mit unseren Gattungsgenossen der Urgeschichte ...

Dr. Erich Marx

Das Habergaißreiten im Pongau

 
"Klaubaufgian" in Matrei in Osttirol, 1983

Zum 100-jährigen Bestehen der Volkskundlichen Sammlung am Salzburger Museum Carolino Augusteum (1904/2004) widmet sich die heurige Sonderausstellung einem Thema, das von Anfang an eine gewisse Priorität in der Sammeltätigkeit am Museum innehatte: dem Thema der Maske. Larven aus dem heimischen Perchten- und Krampustreiben, mit deren systematischer Erfassung bereits unmittelbar nach der Gründung des Museums im Jahre 1834 begonnen wurde, werden erstmals in einer bisher noch nie da gewesenen Gesamtschau gezeigt. 1995 sowie 2003 konnten zudem zwei wertvolle Maskensammlungen aus Privatbesitz erworben werden. Damit sind die wichtigsten Brauchlandschaften Mitteleuropas - also Österreich (Tirol und Salzburg), der süddeutsche Raum (Bayern mit dem bayerisch-fränkischen Grenzgebiet) sowie die Schweiz - als qualitätsvoller Querschnitt einer alpenländischen Maskenvielfalt zu sehen.

Der Macht der Maske im heimischen Brauchleben wird die Rolle der Maske auf der Bühne und im Schauspiel in einem interessanten Exkurs gegenübergestellt. Gleichsam am "Laufsteg" werden zu bewundern sein: aus Japan ein Kostüm samt Maske aus dem berühmten No-Theater; von den Salzburger Festspielen Masken aus "Jedermann" (1990) und Verdis "Un ballo in maschera" (1989, letzte Inszenierung von Herbert von Karajan vor seinem Tode) und als reizvoller Gegensatz dazu die Kostüme und Masken der "modernen" Inszenierung von Verdis Maskenball von den Bregenzer Festspielen. Gleichsam als wirkungsvolles Bindeglied zwischen den Ebenen "Maske im Volksleben" und "Maske auf der Bühne" treten die Figurinen aus dem Karneval in Venedig auf.

In dem anlässlich der Ausstellung erschienenen Bestandskatalog sind alle Masken der Volkskundlichen Sammlung am SMCA abgebildet.

Dr. Ernestine Hutter

 


Fasnachtsmaske "Fasenickl", Oberpfalz/Kipfenberg, um 1700


Fasnachtsmaske "Fasenickl", Oberpfalz/Kipfenberg, um 1700


Klaubaufmaske "Wurm", Matrei in Osttirol, 1970er Jahre


Klaubaufmaske, Matrei in Osttirol, 1970er/1980er Jahre