Georg Rendl (1903-1972) 
Dichter und Maler
Zum 100. Geburtstag

Sonderausstellung im SMCA-Haupthaus
vom 31. 1. bis 15. 6. 2003



Katalog mit zahlreichen
Beiträgen und mehr als
280 Abb. € 24,80
 



 Biografie Georg Rendl

 Lebensdaten Georg Rendl

 Werke von Georg Rendl


 


Blick in die Ausstellung im Salzburger Museum Carolino Augusteum 

Mit den künstlerischen Doppelbegabungen verhält es sich meistens so, dass eine Seite des Talents entweder auf der Strecke bleibt oder aber von den Außenstehenden fast vorsätzlich ignoriert wird. Ein Musterbeispiel dafür ist der Salzburger Dichter Georg Rendl (1903-1972), der auch ein bemerkenswerter Maler gewesen ist. Rendl hat sich nach einer schöpferischen Krise Anfang der sechziger Jahre, also schon in weit fortgeschrittenen Jahren, weitgehend auf die Malerei verlegt, die er seit seiner Jugend mehr oder weniger als Steckenpferd betrieben hat.

Im Flachgau, 1963, Öl/Leinwand, 49.5 x 59.5, Land Salzburg
 
Salzburg - Blick vom Hochhaus gegen Mülln, 1965, Öl/Leinwand,
80 x 70, Land Salzburg
 

Mehrere Umstände mögen zusammengewirkt haben, dass er sich zu diesem Schritt entschloss: die schwindenden Leserzahlen, die diesen in der Zwischenkriegszeit populären und vielfach übersetzten Autor des „Bienenromans“ und der „Glasbläser von Bürmoos“ in Ratlosigkeit versetzten; ein Schlaganfall, der sein Sprech- und Schreibvermögen beeinträchtigte; das Auftauchen einer neuen „Muse“; aber sie genügen wohl nicht, um den explosionsartigen Schub, der Rendls malerischer Leidenschaft endgültig zum Durchbruch verhalf, zu erklären. In den wenigen Jahren bis zu seinem Tod entstand ein Oeuvre von rund 200 Ölbildern – eine Anzahl, die sogar einem Nur-Maler zur Ehre gereichen würde. Die Resonanz ließ jedoch auf sich warten – man sieht es auch bei Künstlern nicht gern, wenn sie in fremden Revieren grasen. Nur ein einziges Mal, im Jänner 1966, trat Rendl mit seinem „verborgenen Bilderschatz“ vor ein Ausstellungspublikum.

Das Besondere an Rendls Bildern ist die völlig ungewohnte Sichtweise auf eine herkömmliche Themenwelt – die heimatliche Landschaft, vor allem die Umgebung von Rendls Wohnhaus in St. Georgen bei Oberndorf, wird immer wieder auf überraschende Weise abgewandelt. Durch seine strenge Stilisierung versteht er diese Landschaft als einen existenziellen Raum zu charakterisieren, in dem jedes Haus, jeder Baum um sein karges Dasein ringt. Das für gewöhnlich so lieblich und idyllisch geschilderte Alpenvorland stellt sich in einer „Nacktheit“ dar, die in aller Eindringlichkeit auf die Situation dessen, der einer höheren Macht ausgeliefert ist, verweist.

Die Bilder sind einerseits Zeugnis von Rendls Sensibilität für die Natur, mehr noch streben sie aber nach einer symbolhaften, spirituellen Wirkung. Für diese ist neben dem Eindruck des Geometrisch-Gebauten, Kristallinen, der durch Rendls kantige Spachteltechnik verstärkt wird, vor allem ein magisches Farbenspiel verantwortlich, das die Landschaften in suggestive Stimmungen taucht. Sie führen den Betrachter über die natürlichen Gegebenheiten hinaus in eine visionär erahnte Welt außerhalb des Sichtbaren.

Neben den Landschaften, denen eine geradezu sakrale Strahlkraft eignet, malte Rendl eine Reihe eindrucksvoller Selbstporträts und Blumenbilder, die mitunter erstaunlich weit in die Abstraktion vorstoßen. Besonders liebte er die Sonnenblumen, in denen er ein umfassendes Lebenssymbol sah. Stets zu Experimenten aufgelegt, entwickelte er in seinen letzten Jahren eine originelle erzählerische Bildform autobiographischer Art, indem er Bildsplitter zu einer kaleidoskopartigen Gesamtkomposition vereinigte.

Rendls Malweise ist ebenso unverwechselbar wie stilistisch schwer einzuordnen, was ihm den Weg zur Anerkennung sicherlich nicht erleichtert hat. Daher sind die Bilder auch in den vielen seit seinem Tod 1972 vergangenen Jahren eingelagert gewesen, ohne dass sich jemand dafür interessiert hätte. Ein unhaltbarer Zustand, den das SMCA anlässlich von Rendls 100. Geburtstag mit einer groß angelegten Ausstellung beenden möchte. Sie wird die Gelegenheit bieten, Rendl als Maler erstmals eingehend kennen zu lernen und einer längst fälligen Neubewertung zuzuführen. Unter den rund 60 ausgewählten Ölbilder sind auch Beispiele aus dem Frühwerk, deren aufgewühlte Handschrift seine im Expressionismus liegenden Wurzeln aufdeckt. Die Ausstellung wird durch ein umfangreiches Begleitbuch ergänzt, das Beiträge seines Freundes Karl Heinz Ritschel und des Rendl-Forschers Arnold Nauwerck sowie seine kompletten malerischen (Hilturd Oman) und dichteren (Wolfgang Bauer) Werkverzeichnisse enthält. Rund 280 Abbildungen und einige kaum bekannte Texte und Gedichte machen dieses gemeinsam vom SMCA und der Georg-Rendl-Gesellschaft herausgegebenen Buch zum Standardwerk (€ 24,80).

Rendls Potential als Maler war sicher groß genug, um ihn aus dem Schatten des Dichters, dessen Nachruhm seit geraumer Zeit stagniert, als bedeutsame Neuentdeckung hervortreten zu lassen.

Dr. Nikolaus Schaffer

 
Blick in die Ausstellung im Salzburger Museum Carolino Augusteum


Eiche in der Au, 1971, Öl/Leinwand, 75 x 65, Privatbesitz St. Georgen


Stahlbrücke in St. Georgen, 1964, Öl/Leinwand, 50 x 60, Gemeinde
St. Georgen


Sonnenblumen im Kornfeld, 1971, Öl/Leinwand, 60 x 50, Gemeinde St. Georgen


Föhnsturm, 1968, Öl/Leinwand, 84 x 59, Privatbesitz St. Gilgen


Blumenstilleben auf blauem Tisch, 1932, Öl/Leinwand, 61 x 50, Privatbesitz Salzburg