Irma Rafaela Toledo
Der Zyklus "Genesis"

Sonderausstellung im SMCA-Haupthaus
vom 25. 10. 2002  bis 12. 1. 2003

 

Katalog: € 6.-

Toledos Zyklus „Genesis“ war ursprünglich nicht als solcher konzipiert. Der von ihr hoch geschätzte Psychologe Joachim Schacht erkannte in einem Gemälde die Darstellung des ersten Schöpfungstages und brachte sie damit auf die Idee der malerischen Umsetzung der Schöpfungsgeschichte. Beeinflusst war sie dabei ohne Zweifel vom starken Eindruck und aufwühlenden Erlebnis der Wüste Negev in Israel einerseits und der dichterisch freien Übersetzung des hebräischen Bibeltextes durch Martin Buber andererseits. Toledo hielt sich in ihrer künstlerischen Interpretation des Schöpfungsaktes weder an die biblischen sieben Tage, noch an deren thematische Zuordnung. In zehn Bildern charakterisiert sie die Phänomene des Ursprungs und des Werdens. Die Schöpfung als großes Geheimnis wird offenkundig, jedoch nicht enträtselt.

Irma Toledo hat die „Genesis“ stets als ihr Hauptwerk, ihr zentrales künstlerisches Vermächtnis angesehen, sie hat von Anfang an danach getrachtet, dass es nicht zerrissen wird und eine dauerhafte Präsentation findet. Nachdem es ihr nicht gelungen ist, den Zyklus dauerhaft in Salzburg zu platzieren, fiel ihre Wahl schließlich auf Schloss Puchberg in Oberösterreich, den imposanten Renaissancebau, der als Bildungshaus dient. Mit Puchberg stand die Künstlerin seit ihrem ersten Besuch im Jahr 1973, der eine langjährige Lehrtätigkeit nach sich zog, die sie persönlich als große Bereicherung empfand, in enger Beziehung. Hier ist dem Zyklus seit 1988 ein Raum vorbehalten. In Salzburg war er seit seiner Erstpräsentation im Romanischen Keller im Jahr 1976 nicht mehr zu sehen. 1982 erschien eine inzwischen längst vergriffene Buchausgabe im Salzburger Verlag St. Peter mit einem Text von Angelica Bäumer. Jetzt erscheint zur Ausstellung im SMCA eine neue Publikation von Nikolaus Schaffer (€ 6,-).

Irma Rafaela Toledo wurde am 23. August 1910 als Irma Friedmann in Laufen/ Oberbayern geboren, wo ihre Eltern ein Geschäft besaßen. Der Vater hatte wenig Sinn für ihre musischen Interessen und schickte sie sechzehnjährig zur Ausbildung als Modistin nach Prag. Damals gab ihr eine Freundin wegen ihres südländischen Aussehens (und in Anspielung auf Grillparzers Schauspiel „Die Jüdin von Toledo“) den Namen Toledo, den sie später als Künstlernamen wählte. Sie kehrte jedoch bald wieder in ihre Heimat zurück und heiratete 1931 den Salzburger Franz Ludwig Schmeisser, den sie beim Bergwandern kennengelernt hatte. 1932 wurde eine Tochter, 1934 ein Sohn geboren. Das junge Ehepaar lebte zunächst in Freilassing, sah sich aber wegen zunehmender Konflikte mit den Nationalsozialisten zur Übersiedlung nach Salzburg veranlasst.

Auch in Österreich hatte Toledo schon bald unter Repressalien zu leiden, obwohl sie durch ihren „arischen“ Ehemann vor dem Schlimmsten geschützt war. Nur ein Bruder von ihr hat diese Zeit überlebt, 39 Familienmitglieder sind in den Vernichtungslagern umgekommen. Toledo selbst musste sich im letzten Jahr der nationalsozialistischen Herrschaft mit ihren Kindern in einer Hütte auf dem Schlenken (Rengerberg) verstecken. Dort entstanden in der Bergeinsamkeit im Jahr der Befreiung auch ihre ersten Aquarelle. Angespornt von Kurt Moldovan fand sie rasch Anschluss an die sich neu formierende Salzburger Kunstszene. 1951 waren erstmals Bilder von ihr im Künstlerhaus ausgestellt, 1952 fand sie Aufnahme in die legendäre „Salzburger Gruppe“, in diesem Jahr erregten ihre Bilder auch bei einer Gemeinschaftspräsentation österreichischer Künstler in Washington Aufmerksamkeit.

Vor allem mit Agnes Muthspiel, Herbert Breiter und Trude Engelsberger stand Toledo während der ersten Schaffensjahre in regem künstlerischen Austausch. Sie weckte das Interesse des Sammlers Wolfgang Gurlitt, der 1953 ihre erste bedeutende Einzelausstellung in der Neuen Galerie der Stadt Linz organisierte. Zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland folgten.

Marksteine ihrer künstlerischen Entwicklung waren neben dem Besuch eines Radierkurses bei Johnny Friedlaender (1959) längere Aufenthalte in Israel und Chile. Toledo hat nie unmittelbar vor der Natur gemalt, sie konzentrierte sich mit den Jahren immer bewusster auf die Innenschau und ließ sich von geistig-religiösen Beweggründen motivieren. 1968 ließ sie sich taufen, trat jedoch später wieder aus der katholischen Kirche aus. Bald nach dem Tod ihres Mannes 1983 zog sie sich von der Ölmalerei zurück und beschränkte sich auf das Aquarell. Doch hat sie im Alter mit ihren Collagen aus präparierten Papieren noch zu einer neuen und ergiebigen Variante ihrer Kunst gefunden. Anfang der neunziger Jahre verfügte Toledo, dass ihr gesamter künstlerischer Nachlass der Hilfsorganisation „Menschen für Menschen“ zugute kommen solle, die 1993 eine große Verkaufsausstellung im Karl-Böhm-Saal des Festspielhauses veranstaltete. Von ihrer bis zuletzt regen Ausstellungstätigkeit seien nur die Personalen in der Galerie Seywald (1988) und in der Galerie der Stadt Salzburg 1996 erwähnt. Irma Toledo starb am 7. Jänner 2002 in Salzburg.

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Irma Rafaela Toledo
(1910-2002)