Die unbekannten Europäer
Kurt Kaindls Fotoreise zu den Aromunen, Sepharden, Gottscheern, Arbëreshe und Sorben

Sonderausstellung im SMCA-Haupthaus
vom 18. 10. 2002 bis 6. 1. 2003 

 

Katalog: € 24.-
Edition Fotohof im
Otto Müller Verlag,
144 Seiten, 103 Abb.

In den Jahren 1999 und 2000 ist der Fotograf Kurt Kaindl gemeinsam mit dem Schriftsteller Karl-Markus Gauß viel in den Randgebieten Europas unterwegs gewesen, um dort einige der kleinsten Nationalitäten und kulturellen Minderheiten zu besuchen. Es handelt sich dabei um Volksgruppen, die einen eigenen Nationalstaat weder anstreben noch errichten und sich doch die eigene Sprache sowie eine ausgeprägte kulturelle Eigenständigkeit zu behaupten vermochten.

Im einzelnen haben Kaindl und Gauß die slawische Gruppe der Sorben in Deutschland, die deutschsprachige Gruppe der Gottscheer in Slowenien, die romanische Gruppe der Aromunen auf dem Balkan und die vom Balkan stammenden albanischen Arbëreshe in Süditalien besucht. Hinzu kam noch die Reise zu den Sepharden von Sarajevo, den letzten Nachfahren jener spanischen Juden, die 1492 aus Spanien vertrieben wurden und sich über den ganzen Mittelmeerraum verbreitet haben und namentlich in Sarajevo eine große Gemeinde bildeten.

Während der längeren Aufenthalte bei diesen Völkern haben Kaindl und Gauß mit deren politischen und kulturellen Repräsentanten gesprochen, vor allem aber den dörflichen, städtischen Lebensraum dieser Menschen und ihre alltägliche Kultur sowie ihre Feste und Feiertage fotografiert. Die zeitgenössischen Fotos dokumentieren ein anderes Europa, in dem sich uralte Volksgruppen zu behaupten suchen und dabei doch die tägliche kulturelle Grenzüberschreitung praktizieren. Insoweit sich diese Völker niemals auf die Enge des Nationalstaatlichen einließen, sind paradoxerweise gerade sie, die kaum jemand kennt, nicht nur Zeugen eines alten vergessenen Europa, sondern auch Wegbereiter eines künftigen Europa, in dem nationale Grenzen gefallen sind und dennoch keine Einheitskultur entstehen, sondern ethnische, religiöse, sprachliche, kulturelle Vielfalt sich entfalten soll.

Kurt Kaindl fotografierte die Ausstellung "Die sterbenden Europäer" im Zug dieser Reisen. Er war Begleiter des Schriftstellers, fotografierte dessen Gesprächspartner und besuchte mit ihm jene Orte, die für das Verständnis des Volkes wichtig sind. Die Fotografie erlaubt darüber hinaus aber eine Vielzahl von Beobachtungen am Wegrand, flüchtigen Eindrücken, intensiven Portraitfotos und sorgfältig komponierten Landschaftsaufnahmen, die die Welt der besuchten Menschen wiedergeben. Ziel der fotografischen Arbeit war es, in poetischen schwarzweiß Aufnahmen die Kultur der besuchten Orte und ihrer Menschen festzuhalten. Wie in der Lebenswirklichkeit dieser Menschen wurden nicht nur Fotos der jeweils besuchten Volksgruppe aufgenommen, sondern ihre untrennbare Verwobenheit mit den sie umgebenden Menschen gezeigt.

 

Kurt Kaindl
wurde 1954 in Gmunden geboren. Er studierte Germanistik und Publizistik in Salzburg. Parallel dazu absolvierte er eine Ausbildung als Fotograf am Salzburg College. 1981 wurde er Gründungsmitglied der Galerie Fotohof. Seit 1975 zeigt er Fotoausstellungen mit eigenen Arbeiten. Kurt Kaindl hatte Lehraufträge zur Geschichte und Theorie der Pressefotografie an den Universitäten Salzburg, München, Bamberg, Eichstätt und der "Georgia State University" in Atlanta. Er hat diverse Publikationen zur österreichischen Fotogeschichte verfasst. Eigene Bildbände sind: "Innergebirg. Wege in die Tauern" (1986, gemeinsam mit Heinz Cibulka, Text von Harald Waitzbauer), "Wurzmühle. Industriearchäologie aus dem oberen Waldviertel" (1994, Text von Harald Waitzbauer) und "Abfischen" (1997, Text von Hans Eichhorn). Er ist Herausgeber der Edition Fotohof im Otto Müller Verlag. Kurt Kaindl lebt als Fotograf und freier Medienwissenschaftler in Salzburg.

Karl-Markus Gauß
wurde 1954 in Salzburg geboren, wo er als Autor und Herausgeber der Zeitschrift "Literatur und Kritik" lebt. 2001 veröffentlichte er unter dem Titel "Die sterbenden Europäer" im Zsolnay-Verlag ein Buch über die Reisen zu den unbekannten Völkern Europas. Zuletzt erschien von ihm das Journal "Mit mir, ohne mich". 


Aromunen:
Hochzeitsgesellschaft in Krusevo


Sepharden:
Zerschossene Grabkapelle im jüdischen Friedhof von Sarajevo


Gottscheer:
Bei Stari Log


Arbereshe:
Skanderberg Denkmal in Vaccarizzo Albanese


Sorben:
In Ralbitz/Ralbicy

Stillleben mit Orangen

 

Sorben




Gottscheer

Sepharden

Aromunen

Arbereshe