Stagnation und Aufbruch

Blick in den Raum der Bürger des 19. JahrhundertsKlicken um Bild zu vergrößern

Auf den Plätzen, deren es viele und schöne gibt, wächst zwischen den Pflastersteinen Gras, so wenig werden sie betreten.

Mit diesen Worten vermittelt Franz Schubert 1825 ein Bild der Misere, unter der Salzburg im frühen 19. Jahrhundert leidet. Die Gründe sind vielfältig: Im Zuge der Napoleonischen Kriege wird Salzburg geplündert und durch Zahlungen an die Besatzer ausgeblutet. 1816 verliert es die Funktion als Hauptstadt an Linz, 1818 wütet ein großer Brand, die Repression des Vormärz bringt das politische Leben zum Erliegen.

Nach Jahrhunderten der Herrschaft von auswärts kommender Fürsterzbischöfe und Jahren fremder Verwaltung müssen sich die SalzburgerInnen "ihre" Stadt und "ihr" Land in einem schwierigen Prozess aneignen. Zunehmend selbstbewusst und nach Unabhängigkeit bestrebt, nehmen sie die eigene Geschichte wahr.

   

Gründung des Museums 1834

Sie sammeln Kunstwerke und Erinnerungsstücke des "Vaterlandes" für ein neues Museum und kämpfen zäh darum, wieder Hauptstadt zu sein. Zu diesem Aneignungsprozess gehört auch die Einweihung des Mozart-Denkmals 1842, die den Beginn des bis heute andauernden Mozart-Kults markiert.

Der Kunstgärtner Josef Rosenegger (1767-1846) machte mit römischen Funden auf dem Bürglstein (rechts ein Gemälde von Johann Michael Sattler) ein gutes Geschäft
Der Kunstgärtner Josef Rosenegger (1767-1846) machte mit römischen Funden auf dem Bürglstein (rechts ein Gemälde von Johann Michael Sattler) ein gutes GeschäftKlicken um Bild zu vergrößern

Salzburg: Rom des Nordens

Der Kunstgärtner Josef Rosenegger, Besitzer des schönen Landguts Bürglstein am anderen Salzachufer, und durch Zufall Hobbyarchäologe. Er findet am Bürglstein römische Altertümer, stellt sie aus. Johann Michael Sattler malt die Ausgrabungsstätte (das Bild neben dem Porträt Roseneggers). Den Bürglstein macht er geschickt zu einer internationalen Attraktion und ist stolz darauf, gekrönte Häupter und zahlreiche Salzburg-Besucher zu empfangen. Der bayerische König kauft ihm viele römische Funde ab. Eine Grabungswelle setzt ein. Salzburg hat seine Sensation: Es ist tatsächlich auf den Resten der bedeutenden römischen Stadt Iuvavum erbaut. Man fühlt sich nun mit doppeltem Recht als Bürgerschaft eines "Rom des Nordens".

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