SALZBURGER GLOCKENSPIEL
MOZARTPLATZ 1
5010 SALZBURG

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E office@salzburgmuseum.at


SPIELZEITEN 
täglich um 7, 11 und 18 Uhr
(auĂźer Karfreitag und Karsamstag)

AKTUELLE MELODIE
„Tochter Zion“
Georg Friedrich Händel, 1747

FĂśHRUNGEN
Donnerstag 17.30 Uhr, Freitag 10.30 Uhr (von Ende März bis Ende Oktober)
Gruppen bis 15 Personen nach Voranmeldung auch zu anderen Zeiten

TICKETS
an den Museumskassen
Neue Residenz und
Panorama Museum
Erwachsene: € 4,-
Jugendliche: € 2,50
Kinder: € 2
Ermäßigt: € 3,-
Gruppenpauschale: € 65,-


 

 

 

Die Geschichte des Salzburger Glockenspiels

Ende des 17. Jahrhunderts ließ Erzbischof Johann Ernst Graf Thun (1687–1709) den unter Erzbischof Wolf Dietrich von Raitenau (1587–1612) errichteten Turm an der Westseite des "palazzo nuovo" (heute Neue Residenz) erhöhen, um darin ein Glockenspiel unterbringen zu können. Ein Kupferstich von Christoph Lederwasch aus 1704 zeigt, dass damals in der Erdgeschoßzone in einem Vorbau die Wache untergebracht war. Die heute südlich an den Turm anschließenden Arkaden (über dem Heimatwerk) wurden erst 1860 hinzugefügt.

Erzbischof Thun hatte 1695 die 35 Glocken beim GlockengieĂźer Melchior de Haze in Antwerpen gekauft und auf dem Landweg ĂĽber Frankfurt, das AltmĂĽhltal und Altötting nach Salzburg bringen lassen. Hier begann nun die Suche nach geeigneten Professionisten fĂĽr die Errichtung des Glockenspiels. 1698 unternahm der Salzburger GroĂźuhrmachermeister Jeremias Sauter eine Informationsreise ĂĽber die Technik von Glockenspielen in die Niederlande. Nachdem 1702 der Turmaufbau fertig gestellt war, begannen unter der Anleitung Sauters der Salzburger StuckgieĂźer Franz Sulzer und der GlockengieĂźer Benedikt Eisenberger mit der Herstellung des Antriebsmechanismus. Ein an einer Seilrolle hängendes Gewicht bewegt, ĂĽbersetzt durch mehrere Zahnräder, die Achse einer Messingwalze mit rund 2,5 Meter Durchmesser. In die Messingplatten bohrte, schnitt und feilte Sauter 7.970 Löcher. In jedes kann ein Stift eingesetzt werden, der ĂĽber einen komplizierten Mechanismus von Holz- und Metallstäben sowie SeilzĂĽgen und einem Hammerwerk samt Federn den Glockenschlag auslöst. Bei jeder Glocke (auĂźer den vier tiefsten Bassglocken) befinden sich zwei gleich groĂźe Hämmer, um den gleichen Ton kurz hintereinander anschlagen zu können. Es ist höchst erstaunlich, dass diese Handwerker damals ohne einschlägige Erfahrung ein so komplexes Werk konstruieren und herstellen konnten, das dem Grunde nach bis heute unverändert funktioniert.

Die endgültige Fertigstellung des Werkes zog sich einige Jahre dahin, da Sauter immer wieder Verbesserungen anbrachte. So konnte das Glockenspiel erst Ende 1703 zum ersten Mal erklingen. Erzbischof Thun stiftete 1702 noch 4.000 Gulden und verpflichtete mit diesem Geld den Salzburger Landtag (damals Landschaft genannt) zum Betrieb des Glockenspiels. Meist waren es die Gesellen des Hofuhrmachers, die drei Mal täglich das Gewicht in die Höhe kurbeln und das Glockenspiel händisch in Gang setzen mussten.

1873 wurde vom Uhrmacher Johann Baptist Fischer ein neues Uhrwerk eingebaut, das nicht nur die Turmuhr bediente, sondern mit Hilfe einer speziellen Vorrichtung auch das Spielwerk auslösen konnte. Das wertvolle Uhrwerk ist zwar heute noch vorhanden, die tägliche Auslösung um 7, 11 und 18 Uhr erfolgt heute allerdings durch eine elektrische Uhr. Auch fĂĽr den Antrieb der groĂźen Messingwalze wurde 1969 schon ein Elektromotor eingebaut. Seit der jĂĽngsten umfassenden Restaurierung kann das Antriebswerk fĂĽr VorfĂĽhrungen aber auch wieder per Handkurbel aufgezogen und mechanisch ausgelöst werden.

Melchior de Haze (1632–1697)

De Haze war ein bekannter GlockengieĂźer in Antwerpen und dort 1685 zum VizemĂĽnzmeister ernannt worden. Er goss u.a. 1654 die groĂźe Glocke fĂĽr die Wallfahrtskirche in Scherpenheuvel, 1674 das Glockenspiel fĂĽr den spanischen Escorial, 1675 fĂĽr BrĂĽgge (1741 durch einen Brand vernichtet), 1686 fĂĽr den St. Jakobsturm in Den Haag, 1689 fĂĽr die Kirche in Alkmaar und 1695 fĂĽr Salzburg.

Jeremias Sauter (1650–1709)

Der GroĂź- und Klein-, Hof- und Landuhrmachermeister Sauter schuf in Salzburg zahlreiche Turmuhren: 1683 die Domuhr und die zu Maria Plain, weiters die Turmuhren fĂĽr Köstendorf (1690), Faistenau (1684), Berndorf (1687) und Anthering (1693). Er besaĂź auf dem Mönchsberg Nr. 6 rechts auf dem Weg zum Schartentor ein Haus. Der Stein in der Gartenmauer enthält folgende Inschrift: „Gott mit unĂź. Anno 1696 im Monath Februar habe ich, Jeremias Saudter, hochfĂĽrstll. Salzburg. Clein-, GroĂź-, Hoff-, und Landuhrmacher, dises Haus erkaufft und von Neuem aufgerichtet etc.“ Sauter verstarb am 11. November 1709 und ist im Friedhof von St. Peter begraben.

  

Bilder

Neue Residenz mit Glockenspiel und Residenzbrunnen, Christoph Lederwasch, 1704, InvNr 764-49
Neue Residenz mit Glockenspiel und Residenzbrunnen, Christoph Lederwasch, 1704, InvNr 764-49
Glockenspielwerk, Christoph Lederwasch, Radierung, 1704, InvNr 806-49
Glockenspielwerk, Christoph Lederwasch, Radierung, 1704, InvNr 806-49
Der Plan stammt aus dem Salzburger Landesarchiv „Gloggen=Spiel Thurm am Neubau in Salzburg“. Sign. u. dat.: „Franz v: Paula Brandner, 28t. August 1817“, SLA, Kreising. Fasz. 272 [JS 47/48, S. 165.]
Der Plan stammt aus dem Salzburger Landesarchiv „Gloggen=Spiel Thurm am Neubau in Salzburg“. Sign. u. dat.: „Franz v: Paula Brandner, 28t. August 1817“, SLA, Kreising. Fasz. 272 [JS 47/48, S. 165.]
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