Der Eber vom Rainberg, eine keltische Tierplastik, 1. Jh. v. Chr.
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Taubenfibel, römisch, 3. Jh. n. Chr.
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FrĂŒhmittelalterliche Scheibenfibel, 10.-11. Jh.
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Die beiden Teile des Grabsteins fĂŒr Virgil Fröschlmoser, der im Jahr 1539 im Alter von nur vier Tagen verstarb. Der untere Teil mit dem Wappen war schon vor 100 Jahren bei einer Kanalgrabung auf dem Residenzplatz gefunden worden.
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Die Geschichte des Residenzplatzes im Zeitraffer

 

Die Stadt Salzburg und ihre AnfÀnge

Der Bereich der historischen Altstadt scheint - wohl wegen der schlechten Verteidigungsmöglichkeiten und der drohenden Überschwemmungen - in vorrömischer Zeit nicht fĂŒr Siedlungen genutzt worden zu sein. Die Stadtberge boten weit bessere Voraussetzungen. Die Hauptkriterien fĂŒr die Standortwahl prĂ€historischer Siedlungen waren eine erhöhte GelĂ€ndeposition, gute Fernsicht, ein geringer Aufwand bei der Errichtung von Verteidigungsanlagen und eine leicht zugĂ€ngliche Wasserversorgung. Alle genannten Kriterien treffen auf den Rainberg bestens zu, der ursprĂŒnglich allseitig von Moor umgeben war und trockenen Fußes nur ĂŒber eine schmale Verbindung vom Mönchsberg (Bucklreutsattel) erreicht werden konnte. Das reiche archĂ€ologische Fundmaterial belegt die ĂŒberregionale Bedeutung dieses prĂ€historischen Siedlungsplatzes mit weit reichenden Handelsbeziehungen von der Steinzeit bis zu den Kelten.

 

Iuvavum/Salzburg in der Römerzeit

Das keltische Königreich Norikum verlor unter Kaiser Augustus im Alpenfeldzug 15 v. Chr. seine EigenstĂ€ndigkeit und wurde dem Römischen Reich - weitgehend unblutig - eingegliedert. Bereits kurz nach ihrer MachtĂŒbernahme grĂŒndeten die Römer in der bis dahin unbebauten Talebene zwischen Mönchsberg und Salzach eine Siedlung, die aufgrund ihrer verkehrsgĂŒnstigen Lage am Schnittpunkt von zwei Fernverkehrsstraßen rasch aufblĂŒhte.

Unter Kaiser Claudius (41-54 n. Chr.) wurde Iuvavum als einziger Ort nördlich der Alpen zum municipium erhoben, d. h. zur Stadt mit eigenem Statut. Zur Regierungszeit Kaiser Neros (54-68 n. Chr.) dĂŒrfte das römische Salzburg seine grĂ¶ĂŸte FlĂ€chenausdehnung erreicht haben, die etwa jener der heutigen Altstadt links bzw. rechts der Salzach entspricht. Der gesamte Stadtbezirk, der von Iuvavum aus verwaltet wurde, umfasste das Gebiet des heutigen Bundeslandes Salzburg mit Ausnahme des Lungaus sowie den Chiemgau, den Rupertiwinkel, Teile des Innviertels und des Attergaus.

Die wechselvolle Geschichte der römischen Stadt endet im 5. Jahrhundert n. Chr. mit einem Befehl Odoakers, der die RÀumung des Gebietes nördlich des Alpenhauptkamms und den Abzug der Romanen (Nachkommen der römischen Bevölkerung) nach Italien anordnete (488 n. Chr.). Einige GrÀberfelder im Stadtgebiet und Einzelfunde belegen jedoch das Weiterbestehen einer Siedlung an dieser Stelle.

 

Die römischen Befunde auf dem Residenzplatz

Das Aussehen von Iuvavum stellt sich uns - trotz vieler kleinrĂ€umiger archĂ€ologischer Untersuchungen - immer noch recht lĂŒckenhaft dar. So konnten wesentliche Bestandteile einer römischen Stadt wie etwa das Forum, das Theater oder der Tempelbezirk bislang nicht lokalisiert werden.

Bei den Grabungen auf dem Residenzplatz gelang die Auffindung eines lĂ€ngeren (Haupt-) StraßenstĂŒcks, das beidseits von GebĂ€uden gesĂ€umt wird. Die Ausgrabungsbefunde sprechen fĂŒr eine Interpretation als Wohn- und GeschĂ€ftsviertel, in dem gehobener Ausstattungsstandard durch Boden- bzw. Wandheizungen sowie reiche Wandmalereien fassbar wird. In diesem Areal waren aber auch Metallgießer ansĂ€ssig, die sich insbesondere auf die Erzeugung von Fibeln, GĂŒrtelbeschlĂ€gen und Pferdezaumzeug spezialisiert hatten und diese Produkte wohl an Ort und Stelle verkauften.

Die Auffindung eines römischen Weihealtars liefert einen vagen Hinweis auf die Existenz eines nahe gelegenen religiösen Bezirks. Die römischen Baureste waren zum Teil durch Nutzungen aus jĂŒngerer Zeit fĂŒr Kirchenbauten, Domfriedhof, Residenzbrunnen, Leitungstrassen etc. zerstört worden.
8. bis 11. Jahrhundert - FrĂŒhmittelalterliche Funde vom Residenzplatz
Riemenzungen waren vor allem am Ende eines LedergĂŒrtels befestigt. Das Riemenende wurde vom GĂŒrteltrĂ€ger durch eine Schnalle gezogen und hing lose herab. Solche Riemenzungen verwendete man jedoch auch fĂŒr Schließen von BĂŒchern und Taschen. Spaltriemenzungen mit antiken beziehungsweise völkerwanderungszeitlichen Motiven verweisen in den karolingischen/bajuwarischen Kulturkreis. Auf Betreiben Karls des Großen griffen die frĂ€nkischen Handwerker in der zweiten HĂ€lfte des 8. Jahrhunderts wieder Formen und Motive auf, die dem reichhaltigen Erbe der regionalen, spĂ€tantiken, mediterranen, byzantinischen, aber auch der insularen Kunst entstammten. Bei sĂ€mtlichen auf dem Residenzplatz gefundenen karolingischen Riemenzungen handelt es sich um Unikate. RiemenbeschlĂ€ge wurden auf GĂŒrteln montiert und mit floralen und geometrischen Motiven graviert. Sie datieren ins letzte Drittel des 8. Jahrhunderts und gehören zu vielteiligen GĂŒrtelgarnituren aus dem Gebiet der Awaren im östlichen Mitteleuropa.

Scheibenfibeln stellen eine beliebte Schmuckform im FrĂŒhmittelalter dar. Sie waren im Fundmaterial aus Salzburg bislang nur recht spĂ€rlich vertreten. Die FundstĂŒcke vom Residenzplatz stammen aus unstratifizierten Schichten, d. h. sie wurden durch jĂŒngere Bodeneingriffe (Domfriedhof, Kirchenbauten) aus ihrer ursprĂŒnglichen Situierung verlagert. Es ist daher nicht mehr zu klĂ€ren, ob die Fibeln verloren wurden oder ob sie aus GrĂ€bern eines Ă€lteren Friedhofs stammen.

 

12. bis 16. Jahrhundert - Der romanische Dom und der Domfriedhof

Nach der Zerstörung des VorgÀngerbaus bei einem Brand im Jahr 1167 wurde unter Erzbischof Konrad III. 1181 mit der Errichtung eines neuen Doms begonnen, der um 1200 geweiht wurde. Dieser spÀtromanische Kirchenbau stand - leicht gedreht - weiter nordöstlich als der heute bestehende barocke Dom. Seine Fundamente erstrecken sich daher auch auf den Residenzplatz.

Weite Bereiche des Platzes wurden ursprĂŒnglich durch den Domfriedhof - die ehemals grĂ¶ĂŸte innerstĂ€dtische Nekropole - eingenommen. Das Friedhofsareal war durch eine umlaufende Mauer begrenzt. Einige kleinere Kapellen, diverse Anbauten an die Nordfront des spĂ€tromanischen Doms, aber auch die bereits um 1110/30 begrĂŒndete Johanneskapelle zĂ€hlen ebenfalls zum Erscheinungsbild des Residenzplatzes in dieser Zeit. Die GrĂ€ber des Domfriedhofs enthielten zumeist keine Beigaben. RosenkrĂ€nze und Paternoster aus Bein oder auch Trachtbestandteile aus Metall wie GĂŒrtelschnallen u. Ă€. sind hingegen vereinzelt belegt. Die Ausdehnung des Domfriedhofs wurde durch die Errichtung eines oberirdischen Verbindungsgangs zwischen Neuer und Alter Residenz 1592 durch Erzbischof Wolf Dietrich von Raitenau markant verringert. Um 1600 wurde der Friedhof völlig aufgelassen. Die Bestatteten wurden dabei jedoch meist nicht exhumiert.

 

Der Residenzplatz ab 1600

Nach dem Brand des spĂ€tromanischen konradinischen Doms 1598 sah Erzbischof Wolf Dietrich die Möglichkeit fĂŒr eine grundlegende Neugestaltung dieses zentralen Areals. Er ließ den durch den Brand schwer beschĂ€digten Dom sowie östlich davon liegende BĂŒrgerhĂ€user abbrechen. Zwischen der von ihm errichteten Neuen und der umgebauten Alten Residenz sollte nach italienischem Vorbild ein reprĂ€sentativer Platz - gerahmt von einem neuen Dom und den ĂŒbrigen GebĂ€udefassaden - entstehen.

Dieses stĂ€dtebauliche Konzept konnte erst unter den Nachfolgern Wolf Dietrichs fertig gestellt werden und fand unter Erzbischof Guidobald Graf Thun 1656/61 mit der Errichtung des Residenzbrunnens als zentralem Bezugspunkt seinen Abschluss. Thun ließ auch die inzwischen profanierte Johanneskapelle abbrechen und den heute noch sichtbaren Quadersockel an der Alten Residenz vorblenden. Mit einer flĂ€chigen Rollsteinpflasterung wurde der Residenzplatz quasi versiegelt, was die vergleichsweise geringe Zahl neuzeitlicher Funde erklĂ€rt.

 

Die moderne Nutzung des Residenzplatzes

Eine Auswahl an jĂŒngeren und jĂŒngsten FundstĂŒcken von den Ausgrabungen auf dem Residenzplatz zeigt, dass sich das Spektrum der Funde verlorener GegenstĂ€nde kaum von jenem der römischen oder mittelalterlichen Zeit unterscheidet. Es handelt sich ebenfalls um MĂŒnzen, GĂŒrtelschnallen, SchmuckanhĂ€nger und Anstecknadeln.

Der Residenzplatz wurde im 20. Jahrhundert fĂŒr große (politische) AufmĂ€rsche und Kundgebungen genutzt, diente lange Zeit als Parkplatz und muss heute immer wieder fĂŒr den Rupertikirtag, Popkonzerte und andere Events herhalten. Die Neugestaltung der eher staubig wirkenden OberflĂ€che ist trotz mehrerer AnlĂ€ufe bisher gescheitert.

 

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