Referenzkunst

  

„Mezzotint Photos“ – Gläsernes Depot – Albertinum – Dresden – Photo # 1, Stéphane Couturier, 2012/13, Ilfoflex Print/Diasec, Courtesy: Galerie Polaris, Paris; Galerie Kornfeld, Berlin
„Mezzotint Photos“ – Gläsernes Depot – Albertinum – Dresden – Photo # 1, Stéphane Couturier, 2012/13, Ilfoflex Print/Diasec, Courtesy: Galerie Polaris, Paris; Galerie Kornfeld, BerlinKlicken um Bild zu vergrößern

StĂ©phane Couturier  

Meist sind die Fotografien des französischen Künstlers Stéphane Couturier Bilder, für deren Motivauswahl er auf Situationen mit hoher Informationsdichte achtet. Dieser Eindruck prägte auch seinen Besuch in der Dresdner Skulpturensammlung. Die Schaudepots mit ihrer Fülle an Objekten waren für Couturier fast schon Bilder an sich und gaben ihm den Impuls, für „de sculptura“ eine neue Werkgruppe zu entwickeln.

Die ausgewählten Bilder erscheinen auf den ersten Blick wie schwarze Flächen, aus denen erst allmählich die Objekte wie Schatten hervortreten. Den optischen Eindruck versteht der Künstler auch als Annäherung an das historische Verfahren der Daguerreotypie. Ihn interessiert, wie die Objekte aus dem Dunkel auftauchen, erscheinen und wieder verschwinden. Couturier möchte mit seiner Arbeit auch das Bild selbst hinterfragen: Handelt es sich um eine „echte“ Fotografie, eine Manipulation von Wirklichkeit oder eine neu konstruierte Realität? Durch die Zurücknahme der Skulpturen in der schwarzen Fläche wird der Unterschied zwischen dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren als Thema erkennbar.

  

Display 1 / Torso 1 (Herakles — Hm 093), Gläsernes Depot, Katharina Gaenssler, 2013, Fotoinstallation mit 3.178 Farblaserdrucken, Courtesy: Barbara Gross Galerie, München
Display 1 / Torso 1 (Herakles — Hm 093), Gläsernes Depot, Katharina Gaenssler, 2013, Fotoinstallation mit 3.178 Farblaserdrucken, Courtesy: Barbara Gross Galerie, MünchenKlicken um Bild zu vergrößern

Katharina Gaenssler

Die zwei Installationen von Katharina Gaenssler stellen eine bildliche Übertragung von ausgewählten Raumsituationen der Skulpturensammlung in Dresden dar. Konkret arbeitete sie im „Gläsernen Depot“ und im „Schaudepot von Barock bis Gegenwart“.

Den Ausgangspunkt ihres Projektes bildet eine Vielzahl von Einzelfotografien, die von der Künstlerin wie Pixel zu einem Bild zusammengesetzt werden. Dem additiven Prinzip der Installation entspricht, dass jede Aufnahme als eigener Ausdruck auf Papier an die Wand geklebt wird. Dadurch entsteht eine Collage, die zwei Räume aus Dresden nach Salzburg überträgt. Gaensslers Methode, einen Ort Bild für Bild abzutasten und diesen „Scan“ an einer anderen Stelle wieder zu installieren, erzeugt mit Verzerrungen einen irritierenden Eindruck, der durch die Detailfülle zusätzlich verstärkt wird.

Gaensslers Arbeit lässt sich mit zwei Phänomenen der Kunstgeschichte in Verbindung bringen: mit der vom Kubismus im frühen 20. Jahrhundert vorgestellten Auffächerung und Facettierung von Wirklichkeit und mit der besonders durch die Panoramen des 19. Jahrhunderts verbreiteten Polyperspektive eines Kunstwerks, das in seiner Entstehung und Wahrnehmung nicht nach dem Gesichtspunkt der Zentralperspektive ausgeführt wurde.

  

Tableau, Katharina Mayer, 2013, C-prints; C-prints/Diasec; Druck auf Fotopapier, Courtesy: Galerie Lausberg, DĂĽsseldorf
Tableau, Katharina Mayer, 2013, C-prints; C-prints/Diasec; Druck auf Fotopapier, Courtesy: Galerie Lausberg, DüsseldorfKlicken um Bild zu vergrößern

Katharina Mayer

Als Reaktion auf die Dresdner Skulpturensammlung entwickelte Katharina Mayer eine Zusammenstellung von 23 Fotografien, die sich als Komposition von persönlichen Bildfindungen erweisen. Der Begriff der Findung besitzt dabei zweifache Bedeutung: Einerseits steht er für eine Form des Entdeckens bzw. Beobachtens und verrät einen sensiblen Blick der Künstlerin auf die Skulpturensammlung. Andererseits trägt er die Bedeutung der Erfindung in sich und beschreibt damit Mayers Neigung, Bilder zu inszenieren.

Im Beitrag von Katharina Mayer verschränken sich beide Ansätze zu einem Tableau von Fotografien, die – unter Einbindung von früheren Aufnahmen – von der Beziehung der Künstlerin zur kunsthistorischen Atmosphäre in der Skulpturensammlung erzählen. Das Museum beschreibt mit seiner Architektur und seinen Exponaten den Rahmen für eine Bilderwelt, in der die Künstlerin zahlreiche Bezüge zur Kunstgeschichte fotografisch umsetzt. Das Resultat vermittelt eine Bezugnahme auf die Institution der Skulpturensammlung und die darin seit dem 19. Jahrhundert erzählte und bis heute fortgeschriebene Kunstgeschichte. So entwickelt Katharina Mayer eine eigene Dramaturgie und nützt die Skulpturensammlung für Bildschöpfungen über ihre Stimmung in den Depots, Ausstellungsräumen, Büros, Hallen und Sälen des Albertinums.

  

Rodenner, Lois Renner, 2012/13 C-print/Diasec, Lois Renner, Wien
Rodenner, Lois Renner, 2012/13 C-print/Diasec, Lois Renner, WienKlicken um Bild zu vergrößern

Lois Renner

Die Bilder von Lois Renner sind das Ergebnis seines Arbeitsaufenthalts in der Dresdner Skulpturensammlung, in der er fĂĽr knapp zwei Wochen mit seinem eigenen Atelier zu Gast war. Das Atelier ist ein exaktes Modell seines Arbeitsraumes in der Wiener SchönbrunnerstraĂźe. FĂĽr „de sculptura“ wurde das knapp fĂĽnf Meter lange Modell zerschnitten, auf Rollen gestellt und nach Dresden transportiert. So konnte Renner es in der Skulpturensammlung bewegen und mit wechselnden Standpunkten in BezĂĽge zur Architektur und zu Objekten setzen.

Das Modell funktioniert als Experimentierfeld, in das er u. a. (reale) Dinge und selbst verkleinerte Gegenstände, Werke der Kunstgeschichte als Reproduktionen oder Miniaturen sowie eigene Werke einfügt. Lois Renner erzeugt mit Ein- und Ausblicken ganz spezielle Verknüpfungen zwischen dem Modell und seinem Umraum. Er komponiert Bilder, in denen sich kunsthistorische und persönliche Ebenen mit der Skulpturensammlung verschränken. Das Besondere an den neuen Bildern liegt in der Möglichkeit, mit bedeutenden Originalwerken zu arbeiten. Dass dadurch der „Denker“ von Auguste Rodin einen Blick in Renners Atelier zu werfen scheint, wirkt wie die Erfüllung von Renners Ziel, Werken und Personen der Kunstgeschichte dadurch Referenz zu erweisen, dass er „Skulptur mit den Mitteln der Fotografie so ins Bild setzt, dass Malerei entsteht“.

 

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