Leben in der Diktatur

  

Sammelbehältnis in Form einer Granate der Škoda 30.5 cm Haubitze, Fa. Swoboda, 1914 - 1918, Blech, Salzburg Museum, , Inv.-Nr. K 4774-49
Sammelbehältnis in Form einer Granate der Škoda 30.5 cm Haubitze, Fa. Swoboda, 1914 - 1918, Blech, Salzburg Museum, , Inv.-Nr. K 4774-49Klicken um Bild zu vergrößern
Hungerdemonstration vor dem Regierungsgebäude auf dem Mozartplatz, 19. September 1918, 1. Weltkrieg, Karl H. Hintner (1862 – 1939), 1918, Papier, Fotoabzug SW, Salzburg Museum, , Inv.-Nr. F 20622
Hungerdemonstration vor dem Regierungsgebäude auf dem Mozartplatz, 19. September 1918, 1. Weltkrieg, Karl H. Hintner (1862 – 1939), 1918, Papier, Fotoabzug SW, Salzburg Museum, , Inv.-Nr. F 20622Klicken um Bild zu vergrößern
Krautacker im Mirabellgarten, 1914 - 1918, Sammlung Prof. Tristan Loidl, Salzburg
Krautacker im Mirabellgarten, 1914 - 1918, Sammlung Prof. Tristan Loidl, SalzburgKlicken um Bild zu vergrößern
Schützengraben und Unterstände für Vorführzwecke am Volksgarten (Franz-Josef-Park) / 1915-1916 /Rapier, Fotoabzug SW auf Karton /Salzburg Museum Inv.-Nr. F 8648
Schützengraben und Unterstände für Vorführzwecke am Volksgarten (Franz-Josef-Park) / 1915-1916 /Rapier, Fotoabzug SW auf Karton /Salzburg Museum Inv.-Nr. F 8648Klicken um Bild zu vergrößern

Der erste totale Krieg
Der Erste Weltkrieg zielte auf die Bereitstellung aller Ressourcen und die Mobilisierung der gesamten Bevölkerung fĂĽr Kriegszwecke ab. Der Rohstoff- und Arbeitskräftemangel brachte zwar viele Wirtschaftsbetriebe zum Erliegen, doch die Kriegszulieferproduktion – wie die der Mitterberger Kupfer AG – florierte. Die Heeresverwaltung konnte kriegswichtige Betriebe und deren Personal unter militärische Leitung stellen. Damit verbunden waren Verbote, den Arbeitsplatz frei zu wechseln oder den Betrieb (z. B. durch gewerkschaftliche Tätigkeit) zu stören. Rund die Hälfte der Soldaten wurde zudem nicht an der Front eingesetzt, sondern musste im Hinterland und an der Heimatfront Deserteure aufspĂĽren, Unruhen beenden oder Verkehrsknotenpunkte sichern. 
  
Wir spielen Krieg
Der Militarismus setzte sich auch bei den Kinderspielen fort. Vom Kanonenbaukasten der Firma Matador über Kinder-Postkarten bis zu einer eigenen Kriegsausgabe von Mensch ärgere dich nicht und anderen Spielen reichte die Palette.
  
Leben in der Diktatur
Am 25. Juli 1914 traten mit der Unterschrift Kaiser Franz Josephs Notverordnungen in Kraft, die staatsbĂĽrgerliche Grundrechte massiv einschränkten und unter anderem das Verbot öffentlicher Versammlungen, die Zuständigkeit der Militärgerichte fĂĽr politische Vergehen (darunter verstand man z. B. Kritik am Krieg und an der Monarchie) und ZensurmaĂźnahmen enthielten. Auch der Salzburger Landtag trat nicht mehr zusammen. Gemeinsam mit den Militärbehörden begann die UnterdrĂĽckung der Bevölkerung, die sich jedoch im Laufe des Kriegs immer stärker dagegen auflehnte. 
  
Proteste
Die Not- und Mangelsituation führte zu einer Politisierung und Radikalisierung der Gesellschaft, die sich in spontanen und organisierten Protesten und Demonstrationen äußerte. Bereits im November 1915 protestierten Halleiner Arbeiterinnen beim Bürgermeister. 1917 und 1918 kam es zu großen Protest- und Streikwellen in vielen Salzburger Betrieben – auch aus Solidarität mit den Revolutionären in Russland.
  
Keine Front ohne Heimatfront
Ohne die UnterstĂĽtzung der Heimatfront wäre die Kriegsfront rasch zusammengebrochen. Ein GroĂźteil der Kriegskosten wurde mittels Kriegsanleihen, Geldsammelaktionen und SparmaĂźnahmen im zivilen Bereich aufgebracht. Die fĂĽr Kriegszwecke benötigten Nahrungsmittel sollten an der Heimatfront „abgehungert“ werden, wie es bei den Militärbehörden hieĂź. Bis 1918 gab es bei den Mittelmächten rund zwei Millionen Hungertote. Um eine Minimalversorgung aufrechtzuerhalten, wurden in Städten und Gemeinden so genannte KriegskĂĽchen eingerichtet. GemĂĽse wurde in Gemeinschaftsgärten angebaut. 
  
Korruption und Protest
Während die einen hungerten, bereicherten sich andere. Der Salzburger Landesbeamte Eduard Rambousek unterschlug UnterstĂĽtzungsgelder sowie fĂĽr FlĂĽchtlinge und Salzburger Familien vorgesehene Lebensmittel. Adelige und groĂźbĂĽrgerliche Familien – unter ihnen der Landespräsident Felix von Schmitt-Gasteiger – versorgte Rambousek mit Delikatessen. Die Bevölkerung brachte ihren Ă„rger darĂĽber in der „Hungerdemonstration“ am 19. September 1918 zum Ausdruck. 
  
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