Hans Poelzigs Festspielhausprojekt fĂŒr Hellbrunn 1919-1922

Modell des Poelzig-Projektes fĂŒr ein Festspielhaus in Hellbrunn (links) und Grundsteinlegung durch BĂŒrgermeister Josef Preis (1922). Fotos: Salzburger Festspiele/Salzburg Museum
Modell des Poelzig-Projektes fĂŒr ein Festspielhaus in Hellbrunn (links) und Grundsteinlegung durch BĂŒrgermeister Josef Preis (1922). Fotos: Salzburger Festspiele/Salzburg MuseumKlicken um Bild zu vergrĂ¶ĂŸern

Vor der Entscheidung, die Festspiele im Schatten des Mönchsbergs zu beheimaten, entstand neben anderen FestspielhausentwĂŒrfen auch im SĂŒden des Hellbrunner Schlossparks ein Projekt, das bis zur Grundsteinlegung 1922 gedieh. Die Salzburger Festspielhaus-Gemeinde suchte bewusst die weitlĂ€ufige Voralpenlandschaft "abseits vom stĂ€dtischen Alltagsgetriebe" (Max Reinhardt).

Hans Poelzig (1869-1936) arbeitete ab 1919 ein Projekt aus, das der deutsche Architekt gar als Schöpfungsbau der Erneuerung der Baukunst in dem vom Ersten Weltkrieg zerrĂŒtteten Land und als "Stil der Zukunft" verstand. Inspiriert u.a. vom "Deutschen Barock" gab er der Architektur des Expressionismus eine neue, einzigartige Facette. Dabei schöpfte Poelzig bewusst aus Vergangenheit und konkretem Ort, in den er das Ensemble einzubetten verstand. Mozart, Rokoko, Landschaft, die Grotten und das Steintheater von Hellbrunn konnten - vom ihm so interpretiert - als grottenartige Höhle, kĂŒnstliche Topgraphie anklingen, verglichen auch mit "Termitenbauten" oder "indischen Pagoden".

Das Ensemble aus Großem und - intimen - Kleinen Festhaus sowie RestaurantgebĂ€ude von 1920/21 wurde in einer ersten Überarbeitung auf ein Großes Haus fĂŒr Oper, Schauspiel und Konzert fĂŒr 3000 Zuschauer reduziert, das Freilichttheater blieb. Das von "Rokoko-Flammen" umspielte Gebilde, das - außen begehbar - aus dem GelĂ€nde wuchs, ĂŒberarbeitete Poelzig dann 1922 zum strengen, mĂ€chtigen Körper, den die Kegelpyramide des Zuschauerraums dominiert. Diese baulich leichter realisierbare Fassung blieb - ohne die erhoffte internationale Finanzierungshilfe und verschĂ€rft durch die Inflation - auf dem Papier.

Im Festspielbezirk der Altstadt spĂŒrte auch Clemens Holzmeister dem Genius loci nach, etwa als der den BĂŒhnenturm als Bastion des Mönchsbergs interpretierte. Unerreicht blieb aber Poelzigs Fantastik, mit der das Projekt in die Architekturgeschichte einging. Salzburg behielt es nur als ĂŒberdimensionales Kuriosum in Erinnerung.

  

Monatsschlössl Hellbrunn

2. Mai bis 31. Oktober 2010

und

1. April bis 31. Oktober 2011

   

Kuratoren: Mag.a Margarete Lasinger (Salzburger Festspiele) und Mag. Peter Husty (Salzburg Museum)

    

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