Georg Muffats Wunsch, dass er mit seiner Musik keinen Krieg anstifften, sondern vielleicht derer Völker Zusammenstimmung, dem lieben Frieden etwann vorspielen wolle, macht deutlich, dass Musik auch eine politische Seite besitzt. Die zahlreichen kriegerischen Konflikte, in die Frankreich unter Louis XIV. verwickelt ist, erschweren es dem ehemaligen Schüler aus dem Umkreis Lullys, die von der italienischen Kompositionsweise stark beeinflusste deutsche Musiklandschaft durch französische Elemente zu bereichern. Seine Aussage, … damit weder die eine zu dunkel pathetisch wird, noch die andere zu leichtherzig frei …, unterstreicht die extremen regionalen Unterschiede in den Musikstilen dieser Nationen.
Wie die Bildende Kunst des italienischen Barocks von Leidenschaft und Formenfülle bestimmt ist, so lässt das Überquellen der Sinnesfreude auch in der Musik viel Spielraum für Fantasie und reich verzierte Improvisation. Das Ausschmücken der Melodie – zuweilen bis zur Unkenntlichkeit – nach italienischem Geschmack führt in Frankreich zu einer Gegenreaktion, die sich mit den Worten Einfachheit, Klarheit und Kürze umschreiben lässt. Maßgeblicher Förderer dieses neuen französisch geprägten Stils ist der in Florenz 1632 als Giovanni Battista Lulli geborene und seit 1646 in Paris lebende Jean-Baptiste Lully (gest. 1687). Verzierungen im Spiel legt er durch einen speziellen Katalog fest, der nur an bestimmter Stelle zulässig ist. Ziel ist es, ein ganzes Orchester wie einen Mann klingen zu lassen.