Der Bund Neuland ging 1919 aus dem Christlich-deutschen Studentenbund hervor. Ziel der österreichischen Vereinigung war es, alle christlichen und deutschen Jugendbewegungen unter einem Dach zu bündeln und sich damit gegen liberale oder jüdische Verbände zu stellen.[1] Der Bund Neuland trat offen antisemitisch und deutschnational auf.[2] Dazu gehörte bspw. auch der Aufruf zum Boykott jüdischer Geschäfte im Organ des Bundes.[3] In den Publikationen der 1930er Jahre warben sie für ein ständisch-antiparlamentarisch-gesamtdeutsches Programm. Der Bund Neuland wird zu den sog. „Brückenbauern“[4] zwischen Katholischer Kirche und NS-Ideologie gezählt.
Erläuterungen
Bund Neuland
Nationalsozialismus
Der Nationalsozialismus ist eine Weltanschauung, die bereits vor dem Ersten Weltkrieg entstand und ab 1918 starken Zulauf erhielt. In Salzburg wurde bereits 1913 eine erste nationalsozialistische Bewegung gegründet. [5] Mit der Gründung der NSDAP (Nationalsozialistische Arbeiterpartei) im Jahr 1920 wurde der Nationalsozialismus zu einer immer stärker werdenden politischen Bewegung. Nationalsozialist*innen waren und sind extrem nationalistisch, antidemokratisch, rassistisch und antisemitisch. [6]
Im März 1933 verfehlte die NSDAP bei der Reichstagswahl in der Weimarer Republik zwar die absolute Mehrheit, setzte aber durch das sog. „Ermächtigungsgesetz“ die Gewaltenteilung außer Kraft. Dies war der Beginn für den Umbau der Republik in eine Diktatur.[7] Ab März 1938 war Österreich als sog. „Ostmark“ Teil des Deutschen Reichs. Die Verantwortlichen propagierten eine gesellschaftliche Ordnung, in der „Rassen“ und die sog. „Volksgemeinschaft“ zentral waren und Minderheiten ausgegrenzt wurden. So wurden verschiedene Opfergruppen verfolgt und ermordet. Darunter Menschen mit Beeinträchtigung, Homosexuelle, Sinti*zze und Rom*nja, Zeug*innen Jehovas oder Personen, die aus politischen Gründen Widerstand leisteten. Die größte Opfergruppe waren sechs Millionen in der Shoah ermordete Juden und Jüdinnen.
„Anschluss“ an Nazideutschland
Der sogenannte „Anschluss“ an Nazideutschland bezeichnet die Eingliederung Österreichs in das nationalsozialistische Deutsche Reich im März 1938. Konkrete politische Umbrüche wurden bereits am 12. Februar 1938 deutlich. An diesem Tag unterzeichnete Kurt Schuschnigg unter Druck das sog. „Berchtesgadener Abkommen“ am Obersalzberg, das zu einer Regierungsumbildung und Amnestie für ca. 3.000 Nationalsozialist*innen führte.[8] Eine für den 13. März angesetzte Volksbefragung wurde am 11. März wieder abgesagt. Am Abend des gleichen Tags trat der Kanzler des austrofaschistischen Staates, Kurt Schuschnigg, zurück und in einigen Bundesländern übernahmen lokale Nationalsozialist*innen die Macht. Am 12. März marschierte die Wehrmacht in Österreich ein. An der Grenze zu Salzburg halfen österreichische Beamte mit, die Grenzbalken zu entfernen, die dann von Mitgliedern der Hitlerjugend am Salzburger Residenzplatz verbrannt wurden, um den sog. „Anschluss“ auch symbolisch zu besiegeln.[9]
Austrofaschismus
Der Begriff „Austrofaschismus“ ist eine Bezeichnung für das politische System in Österreich zwischen März 1933 und März 1938. Nach der Ausschaltung des Nationalrats etablierte die Regierung unter Engelbert Dollfuß eine autoritäre Alleinregierung, die nach Berufsständen organisiert werden sollte (was bis 1938 nicht durchgesetzt wurde). In den Jahren 1933 wurde zuerst die Kommunistische Partei, dann die NSDAP und 1934 schließlich die Sozialdemokratische Partei verboten. Es gab damit nur noch eine zugelassene Partei, die „Vaterländische Front“, die von Dollfuß im Mai 1933 gegründet wurde.[10]
Da das politische System in Österreich in diesen Jahren faschistische Züge aufwies (antiliberal, antidemokratisch, Führerkult), aber nicht durch und durch faschistisch war (kein extremer Nationalismus), gibt es für diese Zeit auch andere Begriffe, die aber entweder verharmlosen (Ständestaat) bzw. den Fokus vom politischen System und allen Verantwortlichen weg auf einzelne Personen richten (Kanzlerdiktatur).[11]
Boxeraufstand
Ende des 19. Jahrhunderts hatten europäische Großmächte, die USA und Japan chinesische Häfen gepachtet, um von dort aus u. a. eine schrittweise Kolonialisierung des Landes anzustreben. Da sich die imperialen Mächte allerdings gegenseitig neutralisierten, gelang dies keinem Land. Um den Einfluss der vorrangig christlichen Länder auszuweiten, setzten jene verstärkt auf die Missionierung der chinesischen Bevölkerung. Gegen die zum Christentum konvertierten Chines*innen richtete sich anfangs die Yihetuan[12], wie sich die Bewegung selbst nannte. Mit dem wachsenden Einfluss der europäischen Staaten sowie Japans und der USA in China wurden ausländische Menschen in China immer mehr zum Feindbild.[13]
Im Frühling des Jahres 1900 eskalierte der Aufstand. Ca. 25.000 Aufständische versuchten, mit Unterstützung chinesischer Truppen, in das Pekinger Botschaftsviertel einzudringen. Im Sommer 1900 entschieden sich die Kolonialmächte für ein gemeinsames Vorgehen, um die Belagerung nach zwei Monaten niederzuschlagen. 23.000 christliche Chines*innen wurden während des sog. Boxeraufstands (der auch Boxerkrieg genannt wird) [14] ermordet, außerdem zahlreiche Botschaftsangestellte.
Quellenangabe
[1] Lucia Scherzberg: Zwischen Partei und Kirche. Nationalsozialistische Priester in Österreich und Deutschland (1938–1944). Frankfurt am Main/New York. 2020. S. 80.
[2] Stefan Eminger: Zwischen Kreuz und Hakenkreuz – Katholisch-Deutschnationale in Bund Neuland und Cartellverband. S. 123-143. In: Linda Erker, Michael Rosecker (Hg.): Antisemitische und rechte Netzwerke in der Zwischenkriegszeit – Zur Bedeutung informeller Machtstrukturen für die politische Radikalisierung in Österreich. Wien. 2023. S. 142.
Erker_Rosecker_Hg_Antisemitische_u_rechte_Netzwerke_2023_online.pdf
[3] Lucia Scherzberg: Zwischen Partei und Kirche. Nationalsozialistische Priester in Österreich und Deutschland (1938–1944). Frankfurt am Main/New York. 2020. S. 80 f.
[4] Stefan Eminger: Zwischen Kreuz und Hakenkreuz – Katholisch-Deutschnationale in Bund Neuland und Cartellverband. S. 123–143. In: Linda Erker, Michael Rosecker (Hg.): Antisemitische und rechte Netzwerke in der Zwischenkriegszeit – Zur Bedeutung informeller Machtstrukturen für die politische Radikalisierung in Österreich. Wien. 2023. S. 123.
Erker_Rosecker_Hg_Antisemitische_u_rechte_Netzwerke_2023_online.pdf
[5] Johannes Hofinger: Nationalsozialismus in Salzburg – Opfer Täter Gegner. Innsbruck/Wien/Bozen. 2016. S. 28.
[6] Nationalsozialismus | Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung
[7] 5. März 1933: Wahl zum Deutschen Reichstag – Bundesarchiv
[8] DöW – Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes
[9] Ausstellung: Hitlerjugend und Bund Deutscher Mädel in Salzburg — ERINNERN: NATIONALSOZIALISMUS UND HOLOCAUST
[10] Johannes Hofinger: Nationalsozialismus in Salzburg – Opfer Täter Gegner. Innsbruck/Wien/Bozen. 2016. S. 31.
[11] Die Diktatur der vielen Namen – hdgö
[12] Eckard Michels: Das „Ostasiatische Expeditionskorps“ des Deutschen Reichs in China 1900/01. In: Imperialkriege von 1500 bis heute. Paderborn. 2011.S. 401.
[13] LeMO Zeitstrahl – Kaiserreich – Außenpolitik – Boxeraufstand
[14] siehe Quelle 13