Nachdem sich die Malerei vom Gegenstand „verabschiedet“ hatte, distanzierte sie sich in einem zweiten Schritt von einem verbindlichen formalen Konzept. Es wurde nicht mehr „abstrahiert“, sondern eine autonome Bildform angestrebt, die sich von der Wahrnehmungswelt kategorisch absetzt. Ziel dieser „informellen“ Kunst war es, das schöpferische Ich von jeglicher einengenden Bevormundung durch eine vorformulierte Bildsprache zu befreien. Eine bevorzugte Methode, die Intuition der unerwünschten Kontrolle des Bewusstseins zu entziehen, ist ein rasantes Arbeitstempo.
Lyrische Abstraktion, Tachismus, action painting und gestische Malerei waren verschiedene Schattierungen dieser Bewegung, die Ende der 1940er Jahre gleichzeitig von Paris und Amerika ihren Ausgang nahm. Theoretischer Schrittmacher war Michel Tapié, zu dessen Schützlingen der Salzburger Maler Lucas Suppin gehörte. Nach Diktatur und Krieg ging ein starker Impuls von dieser Richtung aus, deren Blütezeit bis in die sechziger Jahre anhielt.
Als Aufforderung, sich der eigenen Kreativität anzuvertrauen und nicht ausgetretenen Spuren zu folgen, beinhaltet das Schlagwort „Informell“ (meist französisch geschrieben „Informel“) eine zeitlos aktuelle Botschaft. In diesem erweiterten Sinn sind auch in der jüngeren Kunst immer wieder informelle Anklänge zu beobachten – überall dort, wo der Künstler einer Verfestigung oder Eindeutigkeit bewusst entgegenarbeitet und eine sehr persönliche Sprache sprechen will.