Der Begriff „NS-Kunst“ bezieht sich auf Werke und Künstler*innen, die in der Zeit des Nationalsozialismus vom Regime akzeptiert, ausgestellt und gefördert wurden. Insbesondere sind das Werke und Künstler*innen, die in der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ ausgestellt waren. NS-Kunst hatte keinen einheitlichen künstlerischen Stil.
Stiegenhaus
NS-Kunst
Karlmann Müller
Karlmann Müller war Gausachbearbeiter für Kunsterziehung im Nationalsozialistischen Lehrerbund. Er hatte u. a. die Verantwortung für den Schulwettbewerb „Hilf mit“, bei dem Schüler*innen NS-Propaganda künstlerisch umsetzten. Das Ziel solcher Projekte war es, die Kinder und Jugendlichen mit der Ideologie des NS-Regimes zu indoktrinieren.
Rudolf Dimai
Rudolf Dimai war in der NS-Zeit „Kunsterzieher“ an Salzburger Schulen. Er bewegte sich im Umfeld des Künstlerhaus Salzburg. Seine Werke wurden dort sowohl in den 1930er- als auch in den 1940er-Jahren mehrfach ausgestellt. Rudolf Dimai war Wehrmachtssoldat und bis 1946 in den USA in Kriegsgefangenschaft.
Raum: This is Salzburg
E. Tony Angerer
E. Anton „Tony“ Angerer war während des Austrofaschismus an mehreren staatsnahen Ausstellungen beteiligt. Sowohl dort als auch in der Publikation „Salzburg, sein Volk und seine Trachten“ vermittelte er das Bild von einer unauflösbaren Gemeinschaft der isoliert lebenden, ländlichen Bevölkerung und ihrer Landschaft. 1937 wurde er mit dem Ritterkreuz des österreichischen Verdienstordens ausgezeichnet.
Heinrich C. Berann
Heinrich C.aesar Berann war SA-Mitglied. Er schuf Kunstwerke, in denen seine Begeisterung für den Nationalsozialismus deutlich wird. Sein Gemälde „Den Gefallenen von 1934“ wurde 1938 Adolf Hitler zum Geburtstag geschenkt. Es zeigt die Leiche eines in ein Hakenkreuzbanner eingewickelten Nationalsozialisten in den Armen seiner Mutter. Beranns Werke wurden in der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ ausgestellt, in der ausgewählte NS-Kunst präsentiert wurde.
Franz Donat
Franz Donat war katholischer Priester und Redakteur der Salzburger Chronik, einer katholisch ausgerichteten Zeitung mit stark antisemitischen Tendenzen. Sie ist in den 1930er-Jahren inhaltlich eng mit dem austrofaschistischen Staat verbunden. Franz Donat erhält 1935 das Ritterkreuz des österreichischen Verdienstordens für besondere Leistungen im austrofaschistischen Staat.
Alpinia
Der Gebirgsverein Alpinia hatte ab 1921 einen sog. „Arierparagraphen“ in seinen Statuten. Dieser war eine antisemitische Maßnahme, die es als jüdisch angesehenen Personen verunmöglichte, dem Verein beizutreten. Ab 1938 waren Arierparagraphen integraler Bestandteil der NS-Vereinsstrukturen in Salzburg.
Joseph Messner
Joseph Messner war bereits vor 1938 überzeugt von „großdeutschen Kulturidealen“ (Ernst Hintermaier) und begrüßte den sog. „Anschluss“ Österreichs begeistert. Schon davor komponierte er im Sinne der „antimodernen Kunstästhetik des Nationalsozialismus“ (Alexander Pinwinkler). Er äußerte sich 1933 positiv über den Ausschluss jüdischer Musiker*innen aus der Kulturlandschaft des nationalsozialistischen Deutschen Reichs.
Karl Reisenbichler
Bei der inoffiziellen Volksabstimmung zum sog. „Anschluss“, die 1921 im Bundesland Salzburg stattfand und der späteren Eingliederung Österreichs in das nationalsozialistische Deutsche Reich vorausging, entwarf Karl Reisenbichler Propagandamaterial, das für die Vereinigung mit Deutschland warb. 1933 trat er der Salzburger NSDAP bei und machte ab 1938 Karriere im Salzburger Gaukulturamt. Dort übernahm er auch leitende Funktionen.
Raum: Salzburg im Film
NS-Film
Filme spielten für die NS-Propaganda eine zentrale Rolle, da die damals noch junge Institution Kino im Laufe der 1930er-Jahre immer mehr Besucher*innen anzog. Bereits im Frühjahr 1933 begann eine Umstrukturierung der Filmkultur im nationalsozialistischen Deutschen Reich, die es jüdischen Filmschaffenden (mit wenigen Ausnahmen) verunmöglichte, an Produktionen mitzuarbeiten. Spielfilme wurden nicht nur zum Zeitvertreib in den Kinos gezeigt, sondern hatten immer mehr propagandistische Elemente.
Schauspieler*in im NS-Regime
Bereits im Frühjahr 1933 begann der Minister für Volksaufklärung und Propaganda, Joseph Goebbels, die Kulturlandschaft im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie umzugestalten. Schauspieler*innen, die von der NS-Führung als jüdisch verfolgt wurden, mussten fliehen oder liefen Gefahr ermordet zu werden. Unter den verbliebenen Schauspieler*innen ließen sich viele im Sinne der NS-Propaganda engagieren und wurden 1944 mit einem Eintrag in der „Gottbegnadeten Liste“ belohnt. Nach der Befreiung 1945 arbeiteten die meisten von ihnen unbehelligt als Schauspieler*innen weiter.
Ernst Marischka
Ernst Marischka arbeitete in der Zeit des Austrofaschismus (1933–1938) als Drehbuchautor und nach dem sog. „Anschluss“ als Drehbuchautor und Filmregisseur. Er schrieb die Drehbücher für Operetten-Verfilmungen und leichte Komödien. Den Film „7 Jahre Pech“ (1940) produzierte Marischka für die Ufa (Universum-Film A.G.), die 1937–1945 im Besitz des NS-Staates war.
Berghof am Obersalzberg
Der Berghof am Obersalzberg war 1933 bis 1945 ein Machtzentrum der nationalsozialistischen Diktatur. Nach der Befreiung vom NS-Regime im Mai 1945 wurde das Gebiet Erholungszentrum für amerikanische Soldaten und ihre Familien. Nur das Kehlsteinhaus war öffentlich zugänglich. Dort verdrängten idyllische Postkartenbilder und Bildbände die Erinnerung an die Aufenthalte der NS-Täter*innen an diesem Ort.
Kurt Hoffmann
Kurt Hoffmann arbeitete in den 1930er-Jahren als Regieassistent und drehte 1939 seinen ersten Film als Regisseur. Er drehte Spielfilme, die auf den ersten Blick unpolitisch wirkten. Die während des Zweiten Weltkriegs gedrehten Spielfilme dienten hauptsächlich der Unterhaltung, waren aber nicht frei von NS-Ideologie und Propaganda. Dies gilt auch für die Filme Hoffmanns, wie z. B. „Quax, der Bruchpilot“ (1941), bei dem der Held nur durch eiserne Disziplin zu ebenjenem wird.
1000-Mark-Sperre
Im Reichsgesetzblatt vom Mai 1933 wurde das „Gesetz über die Beschränkung der Reisen nach der Republik Österreich“ veröffentlicht. Es wurde eine Gebühr von 1.000 Reichsmark für Reisen nach oder durch Österreich festgelegt. Das Ziel war es, die österreichische Regierung unter Druck zu setzen, indem man der Wirtschaft und hier insbesondere den Tourismusbetrieben schadete. Der sog. „kleine Grenzverkehr“ war von der Regelung nicht betroffen. D. h. Menschen, die am gleichen Tag ein- und ausreisten und grenznah wohnten, zahlten die Gebühr nicht.
Raum: Landschaft
Hans Sedlmayr
Hans Sedlmayr trat 1930 der NSDAP bei. Nachdem im Juni 1933 die Partei in Österreich verboten wurde, beendete er seine Mitgliedschaft, allerdings mit der Bitte: „ihn weiter als mit der Partei sympathisierend zu betrachten“. Er arrangierte sich mit dem austrofaschistischen Regime und erhielt 1936 einen Lehrstuhl für Kunstgeschichte an der Universität Wien. 1938 trat er erneut der NSDAP bei und pries den sog. „Anschluss“ Österreichs als „Elementarereignis“. 1939 hielt er einen Vortrag zur Stadtplanung Wiens, in dem er eine Neugestaltung der vor allem von jüdischen Menschen bewohnten Leopoldstadt zur „Hitlerstadt“ propagierte. Es musste ihm bewusst gewesen sein, dass für dieses Vorhaben die Jüdinnen*Juden deportiert würden. Außerdem rief er in mindestens einer Vorlesung zur Denunziation von Regimegegner*innen auf.
Zwangsarbeit
Während des Nationalsozialismus wurden in Salzburg Zwangsarbeiter*innen z. B. für den Bau der Staatsbrücke eingesetzt. Auch Infrastrukturprojekte, wie das Kraftwerk Kaprun und die Autobahn, die bereits in der NS-Zeit begannen, wurden durch Zwangsarbeit vorangetrieben. 1945 war im damaligen Reichsgau fast jede vierte Arbeitskraft Zwangsarbeiter*in. Viele von ihnen starben während der Arbeit oder aufgrund der Arbeitsbedingungen.
Raum: Musik
Konzertauftritte während der Zeit des Austrofaschismus
Nach einer Aussage Maria von Trapps fanden die Mitglieder des Kammerchors erst den Mut, öffentlich aufzutreten, nachdem sie vom austrofaschistischen Kanzler Schuschnigg eingeladen wurden, ein Konzert im Belvedere zu singen. In den darauffolgenden Jahren gaben sie mehrere Konzerte im In- und Ausland. In Rom folgten sie im Februar 1938 der Einladung Benito Mussolinis, für ihn ein Privatkonzert zu geben.
Herbert von Karajan
Der Dirigent trat bereits am 8. April 1933 der NSDAP-Ortsgruppe Neustadt (Salzburg) bei. Zu diesem Zeitpunkt war die NSDAP in Österreich noch nicht verboten. In den Jahren vor dem sog. „Anschluss“ war Karajan in Deutschland tätig, wo er Leiter der Oper und Erster Dirigent des Stadttheaters Aachen wurde. Karajan entschied sich somit bewusst für eine Karriere innerhalb des NS-Systems. Außerdem war er für die Propagandamaschinerie des NS-Regimes tätig und dirigierte unter anderem ein Konzert zu Hitlers Geburtstag.
Anny Madner
Die Fotografin war ab 1942 in Salzburg tätig. Bei ihren Arbeiten, die für die Öffentlichkeit bestimmt waren, hielt sie sich sowohl stilistisch als auch inhaltlich an die Vorgaben der NS-Propaganda. D. h. ihre Aufnahmen verdrängten den individuellen Menschen und stellten die homogene Gruppe in den Vordergrund. Sie fotografierte Frauen als Heldinnen, ohne erkennbares Leid oder authentische, negative Emotionen zu zeigen.
Tobi Reiser
Tobi Reiser sen. war zeitgenössischen Quellen zufolge bereits 1931 als „einwandfreier Nationalsozialist bekannt“. Am 1. Mai 1933 trat er der österreichischen NSDAP bei. Sechs Wochen später wurde die Partei verboten und er damit ein sog. „Illegaler“. Im Mai 1938 wurde er in die Fachschaft Brauchtum des NS-Kulturamts berufen. Es folgten weitere Stellen im Kulturbetrieb des NS-Staates. Reiser erhielt durch das NS-System die Möglichkeit, seine Leidenschaft zum Beruf zu machen.
Edelweiß
Diese Alpenblume wird auf der ganzen Welt mit Österreich verbunden. Dazu beigetragen hat vor allem der Hollywoodfilm „The Sound of Music“. Doch bereits viele Jahrzehnte zuvor war das Edelweiß das Symbol für Alpinismus, Mut, Treue und Gemeinschaft. Um 1870 wurde es zum Symbol des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins. In der Zeit zwischen 1918 und 1945 wurde es im Alpinismus und der Volkskultur vermehrt als Symbol für völkisch-deutschnationalen Antisemitismus und Ausgrenzung missbraucht.
Raum: Trachten
Heimatwerk Salzburg
Das Heimatwerk Salzburg wurde im Dezember 1942 gegründet. In dieser Zeit versuchte die NS-Führung nach der Niederlage bei Stalingrad die sog. „Heimatfront“ zu stärken. Ein Baustein hierfür war die Stärkung der volkskulturellen Kräfte. Erster Geschäftsführer war Kuno Brandauer. Nach der Befreiung vom NS-Regime wurde das Heimatwerk verboten. 1946 wurde das Heimatwerk von der Salzburger Landesregierung neu gegründet und strukturell neu aufgestellt. Neuer Geschäftsführer war allerdings Tobi Reiser, dessen Karriere eng mit dem Nationalsozialismus verbunden war.
Grete Karasek
Die Malerin Grete Karasek, besser bekannt als Gretl Karasek, arbeitete in der NS-Zeit unter Gertrud Pesendorfer in der Mittelstelle Deutsche Tracht. Dort zeichnete sie Entwürfe für Dirndlkleider, die dem Bild der NS-Ideologie entsprachen. Ziel der NS-Trachtenerneuerung war es, bei Veranstaltungen, ganz im Sinne der „Blut- und Boden“-Ideologie, einen scheinbar unverrückbaren Zusammenhang von Kleidung und „Heimat“ zu suggerieren. Karasek war Mitglied in der NSDAP und in der NS-Kulturkommission.
Kuno Brandauer
Kuno Brandauer war bereits Anfang der 1920er-Jahre im Vorstand des Salzburger Antisemitenbunds. Er trat im November 1931 der NSDAP-Ortsgruppe in Morzg bei. Im Mai 1933 unterzeichnete er als Landesbeamter trotzdem den „Diensteid“ auf die neue austrofaschistische Regierung. Als bekannter sog. „Illegaler“ gab es mehrfach Untersuchungen gegen ihn, die alle eingestellt wurden. Im NS-Staat machte Brandauer Karriere und verdiente 1941 das Fünffache des damaligen Durchschnittseinkommens. Er war Leiter des „Gauverbandes der Heimat- und Trachtenvereine im Reichsgau Salzburg“. In dieser Funktion hielt er Vorträge und veröffentlichte Publikationen. 1942 wurde er Geschäftsführer des Heimatwerks Salzburg.
Trachtenverbot
Im Juni ließ der Salzburger Polizeidirektor Benno von Braitenberg verlauten, dass ab diesem Zeitpunkt für Jüdinnen*Juden „das öffentliche Tragen von alpenländischen (echten oder unechten) Trachten wie Lederhosen, Joppen, Dirndlkleidern, weißen Wadenstutzen, Tirolerhüten usw.“ verboten sei. Dies war einer der ersten Schritte zur vollkommenen Ausgrenzung jüdischer Personen aus der Gesellschaft.
Franz Rehrl
Franz Rehrl war ab 1922 Landeshauptmann von Salzburg. Er engagierte sich als Schüler und Student in katholischen Verbindungen. In der Anfangszeit der Salzburger Festspiele stellte er sich hinter deren jüdischen Mitbegründer Max Reinhardt, der in den 1920er-Jahren mehrfach antisemitisch angegriffen wurde. Während des Austrofaschismus blieb Rehrl Landeshauptmann in Salzburg. Unter ihm wurde im September 1934 die Salzburger Landesverfassung an den austrofaschistischen Staat angepasst. Rehrl wurde nach dem sog. „Anschluss“ abgesetzt und inhaftiert.
Gertrud Pesendorfer
Gertrud Pesendorfer war NS-Reichsbeauftragte für die Trachtenarbeit und ab März 1939 Leiterin der sog. Mittelstelle Deutsche Tracht sowie geschäftsführende Leiterin des Tiroler Volkskundemuseums. Bereits kurz vor dem sog. „Anschluss“ veröffentlichte sie das Buch „Neue Deutsche Bauerntrachten: Tirol“. Die darin vorgestellten Trachtenmodelle und Körperideale entsprachen den völkischen Vorstellungen der nationalsozialistischen Propaganda.
Mittelstelle Deutsche Tracht
Die Mittelstelle Deutsche Tracht war eine Dienststelle der NS-Frauenschaft mit Sitz in Innsbruck. Zu den Aufgaben der Behörde gehörte es an einer Trachtenerneuerung im Sinne der NS-Ideologie zu arbeiten. Darunter verstand man bspw. Dirndl, die einfach gehalten und vermeintlich praktischer und leichter zu tragen waren. Durch den Verzicht auf Motive wie Blumenmuster etc. erreichte man auch im Bereich der Trachten eine Art Uniformierung, die das Kollektiv betonte und den individuellen Menschen in den Hintergrund rückte. Es war auch vorgesehen, Trachten für bisher trachtenlose Gebiete zu entwickeln sowie verschiedene volkskundliche Organisationen zu vereinigen und gleichzuschalten.
Landesanzug
Im Landesgesetzblatt für das Land Salzburg des Jahres 1935 war die Einführung einer Landestracht für Männer in Salzburg geregelt. Die Landestracht bzw. der Landesanzug war Dienstkleidung für Beamte und andere Funktionäre wie Lehrer oder Bürgermeister. Er war diesen aber nicht vorbehalten. Ganz im Gegenteil: Es war ausdrücklich erwünscht, dass möglichst viele Salzburger den Landesanzug trugen. Für Frauen wurde eine zum Anzug passende Landestracht entwickelt.
Bund Neuland
Die katholische Organisation Bund Neuland wird zu den sog. „Brückenbauern“ zwischen Katholischer Kirche und NS-Ideologie gezählt. In den Publikationen der 1930er-Jahre warb der Bund für ein ständisch-antiparlamentarisch-gesamtdeutsches Programm und trat offen antisemitisch und deutschnational auf.
Verlag Voggenreiter
Der auf Musik spezialisierte Verlag wurde 1919 in Bonn gegründet und publizierte zunächst Werke für die Pfadfinderbewegung und die Bündische Jugend. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland wandelte sich das Programm. Zum Portfolio gehörten nun Liederbücher der Hitlerjugend und nationalsozialistische Propaganda. Im austrofaschistischen Österreich wurde vor dem Verkauf der Neuerscheinungen gewarnt.